Grasende Kühe

Alp Sommer 2017

Mein verflixtes siebtes Jahr als Kuhhirtin in der Schweizer Alp.

Alp Fuggen
Es ist hart und atemberaubend schön

Wenn die Sehnsucht nach den Bergen stärker wird als die Erinnerung an den verregneten Alpsommer vor zwei Jahren, dann gibt es nur eins: Alpstelle suchen.
Ich entschied mich diesmal für bekanntes und bewährtes. Auf der Waliser Alp Furggen war ich bereits 2012. Sie ist was man in der Schweiz eine „strenge Alp“ nennt. Vier Staffeln, wovon die höchste auf über 2300m liegt . Sehr urtümlich, kein Strom, kein Stall eine gemischte Herde von über 100 Kühen, Rindern und Kälbern. Viel Zäunen auf den unteren Staffeln, viel Hütten auf den oberen Staffeln. Wundervolle Landschaft. Abwechslungsreich. Hart.

Eine der unteren Staffeln der Alp Furggen
Einer der schönsten Arbeitsplätze

Dieser Sommer wird sehr hart. Der milde Winter mit kaum Schnee wirkt sich stark aus. Es ist zu trocken. Das Gras wächst kaum. Obwohl wir 20 Tiere weniger haben als vor 5 Jahren gibt es zu wenig Futter. Die Tiere sind unruhig und machen Unsinn. Ein Rind bleibt im Bach stecken und muss mit dem Helikopter rausgezogen werden. Besonders auf Furggen, der höchsten Stafel, ist die Futter- und Wassersituation bedenklich. Das Hütten ist anstrengend. Die Herde geht einige Male durch, es kommt zu sehr gefährlichen Situationen. Ein Rind stürzt ab und stirbt Tage später an den Folgen.

Alp Furggen
Auf der oberen Staffel ist das Futter nie besonders üppig, dieses Jahr war es noch extremer.

Im August werden wir für zwei Tage eingeschneit. Die Bauern müssen einspringen. Sie bringen Heu, was bei den eingeschneiten Wegen ein gewagtes Unternehmen ist, und die Tiere müssen zugeführt werden. Da wir keinen Stall habe wird es eine Schlacht. Die hungrigen Kühe fallen übereinander her um das meiste Futter abzugreifen.

Kühe im Schnee
Die Kühe versuchen unter dem Schnee etwas Essbares zu finden. Schnee bleibt zwei Tage liegen. Wir müssen zufüttern.

Dazu wird auch das Team nicht vom Glück begünstigt. Der Arzt unten im Tal macht mit jedem von uns Bekanntschaft und die Bauern müssen einige Male einspringen. Die Sennin verstaucht sich den Fuss, der Hirt bekommt Borreliose, ich zerre mir beim Zäunen den Rücken und falle für zwei Wochen aus und zuletzt bekommt die Zusennin von einer verschleppten Erkältung eine Rippenfellentzündung.

Regenbogen über der Alp
Auf Regen folgt Sonnenschein und manchmal kommen sie sogar zusammen

Eine Katastrophe also? Ich würde es eher intensiv nennen.
Schon beim Alpabzug überlege ich ob ich nächsten Sommer wieder komme.

Meine Kühe und ich
Eine intensive Zeit. Lust auf mehr?

1 Kommentar zu “Alp Sommer 2017

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