Monat: Juni 2011

Ich bin dann mal weg…

Es ist doch immer das Gleiche, ganz egal wie viel Vorbereitungszeit man hat, am Ende ist doch Hektik angesagt und es bleibt immer noch das Gefühl etwas ganz wichtiges vergessen zu haben.. Ich suche jetzt noch, kurz vor der Abfahrt, Unterlagen zusammen damit mein armer Freund, der hier die Homebase macht nicht verzweifelt… Und das Aufladekabel für die Kamera ist einfach verschwunden, ein Abstecher in den MediaMarkt steht noch an, hoffentlich haben die solche… Und die Alpleute haben gebeten Obst und Brot mitzubringen – was haben die Deutschen im Ausland immer mit dem Brot? – also muss ich noch einkaufen… Und die Visumanträge für Russland und China hab ich noch nicht ausgefüllt, und weiss nicht was sie da eigentlich wollen, die nehme ich besser mit, und auch die Adresse von der Bahnagentur muss ich noch raussuchen… Und ein Passbild wollen die von der Alpgenossenschaft, die kriegen ein altes, weil Fotos mach ich jetzt nicht auch noch…Ich muss jetzt los, bevor mir noch was wichtiges einfällt. Ich melde mich so bald ich kann. Bis dann!

zur Einstimmung

NochMehrImpressionenVonDerAlp

Gestern habe ich mit dem Präsidenten der Alpgenossenschaft gesprochen. Es war in der Kürze der Zeit, wie zu erwarten, kein Ersatz für die „Drachen“-Sennerin aufzutreiben und somit ist auch für mich die Entscheidung gefallen. Auch in diesem Jahr wird es leider keine Ziegenalp werden. Ich habe aber mittlerweile drei Angebote für Kuhalpen, und es scheint als würde doch noch alles gut werden.
Um mich zu trösten und auf die Kuhalp einzustimmen habe ich die Bilder von der letzjährigen Alp im Piemont angeschaut.
Ich kann mich nicht mehr erinnern in welchem Buch, ich gelesen habe, dass der der Held sich manchmal seine Erlebnisse als Erinnerung vorstellt um ihnen auch im Moment des Erlebens die ganze Schönheit abringen zu können. Das sollte ich wohl manchmal auch machen. Wenn ich diese Bilder sehe und mich an die Zeit auf der Alp erinnere ist es einfach nur schön. Ich kann mich wohl auch erinnern an die drei Wochen Regen ganz am Anfang, die eine echte Härteprüfung waren, und an die familiären Unstimmigkeiten der Bauern, in die ich ungewollt hineingezogen wurde, und an den Schlafmangel und so manche trübe Augenblicke, aber die Erinnerung ist einfach schön.
Unter dem Button findet ihr einige Impressionen:

noch mehr Impressionen von der Alp

Brief an die Alpgenossenschaft

Liebe Silvia,
wie ich dir bereits in meiner letzten Mail geschrieben habe kommt die jetztige Situation für mich einer Katastrophe gleich, zum einen weil ich mich auf die Arbeit gefreut, zum anderen weil ich mit dem Geld fest gerechnet habe. Deshalb habe ich mich auch nach einer Alternative umgesehen und auch sofort ein Angebot für eine Kuhalp als Zusennin bekommen.
Nun ist mir sehr klar in welche Schwierigkeiten euch die kurzfristige Absage bringen würde und mir wäre die Hirtenstelle bei Ziegen auch lieber, aber nicht unter den gegebenen Umständen.
Ich habe gestern ein längeres Gespräch mit meinem Freund Fabian geführt und bin zu folgendem Entschluss gekommen:
Ich komme nur dann wie vereinbart wenn ich einen wirklich guten Hund bekomme und wenn ihr bis dahin andere Sennen gefunden habt.
Nach dem was mir von meinen Freunden berichtet wurde bin ich nicht bereit es mit der jetzigen Sennerin auch nur zu „probieren“.
In einem so harten Alltag ist auch bei einem guten Team noch genug Reibefläche und Konfliktpotenzial vorhanden, das ist klar, damit muss man rechnen. Aber wenn es schon von Beginn an Anfeindungen und Schickanen gibt… Nein, offenbar ist mit der Frau kein Auskommen zu finden, und ich bin der Meinung, dass ein so harter Arbeitstag von 16 Stunden nur im Team zu bewältigen ist und nicht wenn man noch zusätzlichem Psychoterror ausgesetzt ist.
Es kann meiner Meinung nach nicht sein, dass der Hirt am Abend noch für sich selbst kochen muss, es kann nicht sein, dass man dauernd zurechtgewiesen und angegangen wird, es kann nicht sein, dass es nicht einmal für eine Kaffeepause zwischen dem Zurückholen der Ziegen und dem Melken reicht…usw. Ich denke die Problematik ist dir ausreichend bekannt.
Bitte melde dich bald bei mir, bis Montag möchte ich eine Entscheidung für mich getroffen und bei der Kuhalp zu- oder abgesagt haben.
Ich hoffe es findet sich eine gute Lösung für uns alle und es tut mir wirklich leid, dass ich diese Mail schreiben muss.
Grüsse Janet